Kreuzberger Nächte hinter Plissees
Kreuzberger Nächte sind lang – das wissen durch den Hit der Gebrüder Blattschuss im Jahre 1978 nicht nur alle Berliner. Man könnte eigentlich auch sagen: In Kreuzberg wird der Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag gemacht. Kneipen, Bars und auch Geschäfte haben bis in die Morgenstunden geöffnet und während man sich woanders gerade aus den Federn quält, um sich für die Schule oder die Arbeit fertig zu machen, geht man in Kreuzberg schlafen. Na jedenfalls ein ziemlich großer Teil der Kreuzberger, nämlich die, die keine Arbeit oder eine Kneipe haben.
Bis zum Mittag ist Kreuzberg so einer der ruhigsten und friedlichsten Stadtbezirke Berlins. Die einen schlummern hinter verdunkelnden Rollos oder Plissees ihren Rausch aus und die anderen gehen ihrer Arbeit nach. Draußen trifft man nur ein paar deutsche Rentner mit ihren Hunden und ein paar türkische Frauen mit ihren Kindern. Obwohl, müssten die nicht eigentlich in der Küche stehen und das Mittagessen zubereiten?
Wie dem auch sei, wer sich gern die Nacht um die Ohren schlägt oder nachts als Nachtwächter oder Nachtbusfahrer arbeitet, kann sich in Kreuzberg in Ruhe ausschlafen. Da gibt es keine Spießer, die morgens um 7 mit dem Rasenmäher ihrem Vorgarten zu Leibe rücken, Hausmeister die mit der Bohrmaschine Löcher für Gardinenschienen bohren oder staubsaugende Nachbarn über einem. Das passiert – wenn überhaupt – erst ab dem späten Nachmittag.
Dann werden die Plissees und Jalousien wieder geöffnet und nach und nach füllen sich die Straßen, Cafés und Kneipen wieder mit Menschen, die sich auf die nächste lange Kreuzberger Nacht vorbereiten.