Kreuzberger Geschichten von gestern und heute
Berlin-Kreuzberg, das klingt nach Szene und Krawallen, riecht nach Döner und Currywurst, sieht kunterbunt und schmutzig aus, fühlt sich aufregend und echt an und hat mehr Geschichte als jeder andere Berliner Stadtbezirk.
Wieso hat sich eigentlich gerade Kreuzberg – der Einfachheit halber im Folgenden als X-Berg geschrieben – zu einem solch berühmt-berüchtigten Stadtteil entwickelt? Nun, der erste Grund dafür war die recht enge Bebauung unter größtmöglicher Ausnutzung der Baufläche. Das bedeutete mehrstöckige Wohnhäuser mit bis zu 3 Hinterhäusern je Eingang, um Innenhöfe der großen Carrées ebenfalls für Wohnraum zu nutzen. Doch ebenso wurde in anderen Stadtbezirken wie dem angrenzenden Friedrichshain, Neukölln und im Prenzlauer Berg gebaut. Aber auch diese Stadtbezirke heben sich durch ein gewisses Image von anderen bürgerlich geprägten Berliner Stadtbezirken ab. Es war zwar alles ein wenig enger, dafür aber auch billiger, was vor allem Arbeiterfamilien, Studenten und später auch Gastarbeiterfamilien nach X-Berg zog.
Vor allem im ehemaligen Zustellbezirk SO36, dem südöstlichen Teil X-Bergs, der während der deutsch-deutschen Teilung von 3 Seiten von der Berliner Mauer umgeben war, bildete sich eine ziemlich radikale Hausbesetzer-Szene heraus. Das lag einfach daran, dass viele Häuser an der Mauer unbewohnt waren. Von hier aus breitete sich auch die Studentenbewegung der 68er über ganz Berlin aus, bis heute finden regelmäßig Krawalle am 1. Mai Feiertag statt, Demos, Kundgebungen und Ausschreitungen stehen ständig an der Tagesordnung. Seit dem Mauerfall hat X-Berg seine Nischenposition verloren und rückt wieder mehr auch in den wirtschaftlichen Mittelpunkt Berlins. Doch so einfach wie der Prenzlauer Berg lässt sich X-Berg keine Schönheits-OP verpassen.
Wir wollen mit unseren Kiezgeschichten aus X-Berg zeigen, dass hinter seinen rauen Fassaden mehr steckt als Türken und Hartz IV, Gewalt und Drogen.